Resolution: Für eine freie Studienwahl – Studium nicht nach Abiturnote!

Das Studierendenparlament hat auch unserer zweiten Resolution in der Sitzung, auf unseren Antrag hin, angenommen.

Das Studierendenparlament möge folgende Resolution der Juso-Hochschulgruppe verabschieden:

Wir betrachten Zulassungsbeschränkungen skeptisch. Jede und jeder hat das Recht, das Studium aufzunehmen, das er*sie möchte, um auch später frei den Beruf wählen zu können, so wie es das Grundgesetz in Artikel 12 Abs. 1 vorsieht.

Wir richten daher folgende Forderungen an Land und Universität:

1. Es müssen ausreichend Kapazitäten angeboten werden, sodass Studiengänge nicht oder nur in Ausnahmefällen schon bei der Zulassung beschränkt werden. Das Land muss die Universitäten dementsprechend finanziell ausstatten.

2. Bei den Hochschulauswahlverfahren sollen mehr Kriterien als nur die Abiturnote herangezogen werden, insbesondere, wenn schon weit validere Verfahren zur voraussichtlichen Erfolgsbestimmung bekannt sind und praktiziert werden.

3. Bereits erfolgten Berufsausbildungen muss auch bei zulassungsbeschränkten Studiengängen ein höherer Stellenwert im Zulassungsverfahren beigemessen werden.

4. Bei der Besetzung von Studiengängen soll auch der persönliche Hintergrund berücksichtigt werden, sodass unterschiedliche Gesellschaftsgruppen angemessen repräsentiert werden.

Begründung:

Die Entwicklungen sind so besorgniserregend, dass das Bundesverfassungsgericht im Rahmen eines Normenkontrollverfahrens aktuell prüft, ob die momentanen Zulassungsbeschränkungen im Fach Humanmedizin mit dem verfassungsmäßigen Recht auf freie Berufswahl zu vereinen sind (Aktenzeichen: 1 BvL 3/14, 1 BvL 4/14).

Zum jüngst gestarteten Wintersemester 2017/18 sind nach Angaben des „Centrum für Hochschulentwicklung“ (CHE) bundesweit 42,4 Prozent der Studiengänge zulassungsbeschränkt. Damit setzt sich die Entwicklung fort, dass Studienplätze mit steigender Tendenz vor Allem nach dem Numerus Clausus (NC) vergeben werden. Besonders bei den Bachelorstudiengängen sind die Zahlen gravierend: Hier sind 46 Prozent der Studiengänge zulassungsbeschränkt. Während hier zumindest teilweise die für die Zulassung notwendigen Noten noch in einem akzeptablen Bereich liegen, ist der NC gerade bei den Staatsexamensstudiengängen Human- und Tiermedizin in einem Bereich verortet, der nur wenigen Studierenden eine reelle Chance bietet, diesen Studiengang zu belegen.

Viele Universitäten, darunter auch die JLU, beschränken sich zunächst auf die Note der Hochschulzugangsberechtigung und lassen erst bei einer gleichen Note andere Kriterien entscheiden.

Die Abiturnote ist jedoch nur ein Anhaltspunkt für den Studienerfolg und wird von sehr vielen subjektiven Faktoren, die nicht nur in der Schülerin oder dem Schüler liegen, sondern aus viel komplexeren Zusammenhängen entstehen, beeinflusst. Deshalb gibt es für Studiengänge, in denen der NC besonders schwerwiegend ist, bereits andere Test, die nach dem Abitur absolviert werden und bei denen die Korrelation zwischen gutem Testergebnis und Studienerfolg viel eindeutiger ist. Diese werden jedoch in vielen Hochschulen nur sehr niedrig gewichtet und stehen häufig an zweiter Stelle nach der Abiturnote. Auch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufserfahrung in solchen Bereichen qualifizieren nicht selten besser für das Studium als ein gut abgeschlossenes Abitur. Durch den subjektiven Charakter der Notenvergabe im Abitur findet hier auch eine soziale Selektion statt, die der Kinder aus Akademiker*innen-Haushalten und Kinder mit Migrationshintergrund besonders benachteiligt. Gerade in den MINT-Fächern sind auch Frauen besonders unterrepräsentiert.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.